Unser Referent für den Monat Mai Dr. Esko Horn ist als Richter am Arbeitsgericht Hamburg in der 1. Instanz tätig. 2007 absolvierte er gemeinsam mit vier weiteren Kollegen seine Ausbildung zum Mediator an der Bucerius Law School. Das Arbeitsgericht Hamburg hat eine eigene Mediationsordnung entwickelt, die Grundlage für die dortigen gerichtsinternen Mediationen ist. Die Mediationen werden meist auf Initiative des Vorsitzenden durchgeführt, die Initiative durch die Parteien kommt eher selten vor. Während der Durchführung der Mediation ruht das Gerichtsverfahren. Die Mediationsverfahren werden von einer eigens eingerichteten Mediationsgeschäftsstelle betreut. Diese Geschäftsstelle verschickt Informationsmaterialien an die interessierten Parteien und koordiniert telefonisch die Terminabstimmung für das Mediationsverfahren.
Durchschnittlich werden etwa 20 Mediationen im Jahr durchgeführt, die meisten davon finden auf der Grundlage eines Prozesskostenhilfeverfahrens statt. Die geringe Auslastung mit Mediationen lässt einen Terminierung innerhalb von 2 ½ Wochen zu. Ein einziger Termin ist die Regel, für den zunächst drei Stunden vorgesehen sind. Herr Dr. Horn ergänzte dazu, dass er sich grundsätzlich ein Mediationsverfahrenstag terminlich frei halte, um eine spontane Verlängerung des Termins bei Bedarf ermöglichen zu können. Die Mediationen am Arbeitsgericht finden grundsätzlich im Beisein der Parteianwälte statt.
Dr. Esko Horn berichtete, dass sich die Richtermediatoren darauf geeinigt hätten, die Mediationen im Beisein eines Co-Mediators durchzuführen. Der Co-Mediator habe die Aufgabe, im Anschluss an den Termin ein Feedback zur Arbeit des Mediators abzugeben. Damit wollen die Richtermediatoren eine gewisse Angleichung der Arbeitsstandards herstellen.
Die Mediatoren am Arbeitsgericht bringen im Anschluss an die Mediation das Gerichtsverfahren zum Abschluss, indem sie innerhalb einer „juristischen Sekunde“ ihre Aufgabe wechseln. Die Parteien beenden meistens die Mediation nicht mit einer Abschlussvereinbarung, sondern der Mediator wechselt seine Position und beendet unmittelbar nach der Mediation als Richter das Verfahren mittels eines Vergleiches.
Zum Referenten: Dr. Esko Horn, Richter und Mediator am Arbeitsgericht Hamburg
Archiv der Kategorie: SALON
SALON | „Mediationsfilmnacht“
Zu unserem Salon im April hatte Matthias Schütz einige Filmbeiträge zu Mediation ausgewählt, die wir gemeinsam genossen. So verfolgten wir die spannende und erkenntnisreiche Demonstration einer Wirtschaftsmediation. Anschließend machte die Diskussion über die cineastischen Eindrücke allen deutlich, wie sehr Mediation von der individuellen Inszenierung des jeweiligen Mediators lebt.
SALON | „Kommunikation à la Loriot – eine kurze Einführung in die Transaktionsanalyse“
Unser Referent Matthias M. Arndt bot uns mit seinem interessanten, lustigen und prall gefüllten Vortrag im März 2010 zunächst einen Einblick in die Grundidee der Transaktionsanalyse (TA). Konzipiert wurde das Kommunikationsmodell in den fünfziger und sechziger Jahren von Eric Berne, der seine Erfahrungen mit der klassischen Psychoanalyse nach Freud und den ersten Ergebnissen der aufkommenden Hirnforschung verband. Transaktion meint die Interaktion zwischen Personen bei der Kommunikation, die Transaktionsanalyse untersucht also den Vorgang der Kommunikation zwischen (mindestens) zwei Menschen.
Jeder Mensch kommuniziert im Rahmen dessen, was er im Laufe seines Lebens erfahren hat, wobei das menschliche Hirn besonders im Alter von 0 bis sechs Jahren die Kommunikationsabläufe der Eltern als unmittelbarste Vorbilder wie ein Aufnahmegerät aufzeichnet und behält. Die TA unterscheidet bei jeder Aussage zwischen dem Eltern-Ich (El-I), dem Erwachsenen-Ich (Er-I) und dem Kind-Ich (K-I). Das El-I kann ein kritisches oder auch ein nährendes, unterstützendes ider förderndes sein. Das K-I kann sich angepasst, rebellisch oder frei äußern. Bei einem „normalen“ Gespräch reagieren die Gesprächspartner auf einer Gesprächsebene, sozusagen auf einer Augenhöhe. Etwa wie hier von Er-I zu Er-I:
Er: „Wie spät ist es?“
Sie: „20.00 Uhr.“
Reagiert der Gesprächspartner mit einem anderen Ich, spricht man von einer gekreuzten TA, die Kommunikation läuft „schief“:
Er: „Wie spät ist es?“ (Das Er-I spricht das Er-I an.)
Sie: „Es ist schon ganz schön spät, mein Lieber!“ (Auf seine Frage reagiert statt dem Er-I das Kritische El-I, das seinem K-I antwortet.)
Zur weiteren Einsicht in Kommunikationsvorgänge stellte uns Matthias Arndt das aus der Psychoanalyse stammende Dramadreieck vor. Demnach wirken in jedem von uns drei Kräfte, die sich gegenseitig bedingen und unser Handeln bestimmen: Der Antreiber, der Bremser („Lass das doch!“) und das Symptom. Der Antreiber hat mehrere Komponenten, die in jedem Menschen unterschiedliche große Rollen spielen können: „Sei stark!“, „Beeil Dich!“, „Sei perfekt!“, „Machs recht!“ und „Streng Dich an!“.
Diese Komponenten lassen sich auch auf die Kommunikation untereinander übertragen. Die drei Triebkräfte werden symbolisiert durch den Retter, das Opfer und den Verfolger. Retter und Opfer erfahren gegenseitig positive Zuwendung, während die Interaktionen zwischen Verfolger und Retter sowie Verfolger und Opfer als negativ bewertet werden. Die Verfolgerrolle hat der typische „Chef“ als Kontrollmensch, das Opfer ist der von ihm Kontrollierte. Dem Opfer steht der Retter zur Seite. Diese Komponenten agieren miteinander und aufeinander. Das Modell soll helfen, Transparenz in typische Reaktionsmuster zu bringen, um diese im zweiten Schritt zu verändern.
Zum Abschluss bewies uns Matthias Arndt, dass sich Loriots Sketche hervorragend mit dem TA-Modell analysieren lassen!
Zum Referenten: Matthias M. Arndt, Rechtsanwalt und Wirtschaftsmediator, lebt und arbeitet in Hamburg.
SALON | „Austausch“
Eine erfreulich große Runde bekannter und neuer Gesichter war zum ersten Geburtstag des Arbeitskreises Mediation im Februar 2009 erschienen um zu hören, welche Erfahrungen unser Gast vom Arbeitsgericht Hamburg mit Mediation gemacht hat. Doch das tückische Glatteis ließ Dr. Esko Horn nicht in der Wexstraße ankommen. (Im Mai 2010 war er dann unser Gast.)
Einer unserer Teilnehmer nahm das Thema der gerichtsinternen Mediation zum Anlass, uns seine Erfahrungen mit gerichtsnaher Mediation in einem kleinen Vortrag zu erläutern. Er und sein Mediationsausbildungsinstitut hatten im Jahr 2004 und 2005 insgesamt 20 Richter in Hamburg in Mediation geschult. Die Ausführungen boten der Runde aus den verschiedensten Lebensbereichen an diesem Abend reichlich Diskussionsstoff.
SALON | „Web 2.0 – Information, Teamwork und Marken im Zeiten von Social Media“
Am ersten Mediativen Mittwoch des neuen Jahres war unser Referent Günther Biebl zu Gast. Der Teamentwickler und Trainer bot dem Arbeitskreis Mediation eine interessante und ausführliche PowerPoint-Präsentation, die drei Schwerpunkte hatte. Zu Beginn erläuterte er den Nutzen von RSS-Feeds und seine Anwendung zur schnellen Informierung. Die zuvor beigesteuerten Linktipps zum Thema Mediation für Herrn Biebls Vortrag machten den Nutzen der RSS-Funktion für alle deutlich. Wer heute mit geeigneten PR-Maßnahmen auf Mediation aufmerksam machen will, nutzt RSS samt RSS-Reader, um über aktuelle Themen in der Mediationslandschaft immer auf dem Laufenden zu sein.
Als sinnvoll stellte sich auch das weitere von Günther Biebl vorgestellte Internet-Werkzeug von Online-Abstimmungsprogrammen dar. Für Mediatoren können solche Programme dabei helfen, Terminschwierigkeiten zwischen den Parteien, dem Mediator, eventuell einem Co-Mediator und den beteiligten Rechtsanwälten elegant und schnell abzustimmen.
Der Vortrag schloss mit einem aktuellen Fall, welche Macht Internetblogs entfalten können. Die vom Outdoor-Hersteller Jack Wolfskin im letzten Herbst begonnene Abmahnaktion gegen mehrere Privatpersonen wurde über Blogs derart schnell, groß und heftig diskutiert, dass dies negative Publicity für die Firma zur Folge hatte und sie deshalb mit der Rücknahme ihrer Abmahnung reagierte. Ein schönes anschauliches Beispiel, das zeigte, die Macht von Blogs und Internetforen nicht zu unterschätzen.
Zum Referenten: Günther A. Biebl ist Betriebswirt und Trainer für erfolgreiche Projektarbeit in IT- und Softwareunternehmen. Seine Spezialität ist die Übersetzungsarbeit zwischen den verschiedenen Arbeitswelten der Abteilungen.